
Neues aus Saint Privat.
Ich bin angekommen. Dort wo die Zeit vermeintlich stehen geblieben ist, meine Internetverbindung aber schneller ist als die in Wien und die Autobahn von der Küste ins Landesinnere bald vierspurig.
Durch das Fenster höre ich den Lärm der Schulkinder in der Pause. Es gibt 2 Schulklassen. Die Hunde streunen in der Gegend rum. Die Sonne wandert über den Berg. Saint Privat - Alltag.
Gestern, am Ostermontag, saß die Dorfbevölkerung beisammen bei den Roches des fées. Das ist ein Wald am Fuße eines kleinen Berges, wo scheinbar unmotiviert Felsbrocken herumliegen. Dieser Ort hat etwas Magisches, und tatsächlich erfahre ich an diesem Tag, daß eine Spezialistin Energien zur Heilung gemessen hat. (werde mein Repertoire zu 3 Minuten Entspannung – siehe meinen ersten Blogbeitrag- erweitern)
Am Ostermontag wird hier also traditionell Omelette Pascale gegessen. Über einem Feuer werden in einer Riesenpfanne Zwiebel und wilder Spargel angeröstet, dann die Eier aufgeschlagen. Darüber wird Smalltalk geführt, der neueste Klatsch ausgetauscht, politisiert. So ein abgelegenes Dorf im Süden ist natürlich der Klassiker für gewisse Machenschaften und Konflikte...Aber alles in allem ist dieses kulturelle Mischmasch aus Franzosen, Engländern, Deutschen und einer Österreicherin ein friedfertiges Gefüge, vor allem wenn gefeiert wird.
Wie bin ich nun diesmal nach Saint Privat gereist?
Ich bin ja schon über fast alle Wege hierhergekommen. Über die Slowakei nach Spanien, über Italien, über die Schweiz, über Paris, Marseille und Lyon...Wie es sich gerade am günstigsten oder unfreiwillig kompliziertesten ergeben hat.
Meine gute Fee, die eigentlich mitreisen wollte, hat für mich noch einen Morgenflug nach Nizza ergattert. Nizza!
Unausgeschlafen und im Blutkreislauf noch der Restgehalt an blubbernden Getränken- am Vorabend hab ich Geburtstag gefeiert- komme ich also frühmorgens in die noch verregnete und kühle Stadt.
Schöne Kindheitserinnerungen werden wach, während ich langsam vom Bahnhof in die Altstadt schlendere. Die Côte d´Azur war lange das Lieblingsreiseziel meiner Mutter. Jetzt ist es die Ostsee.
Am Marchés des Fleurs herrscht heiteres Treiben zwischen Lavendel- und Rosenständen. Die ungebunden Umherreisenden öffnen unter dem Aquädukt ihre Sardinendosen.
Ich bestelle einen Kaffee und Omelette nature. Gestärkt gehe ich die letzten paar Schritte über die Promenade des Anglais ans Meer. Lege mich auf die Steine, schliesse die Augen und schaffe es, für ein paar Momente an nichts zu denken.
Dann nehme ich den alten Bummelzug entlang der Côte d´Azur, über Cannes, Antibes, Aix, Marseille, das Meer glitzert durch das Fenster, und ich schlummere ein im Getöse klingelnder Handies und pumpender Kopfhörer der jungen Damen und Herren, die Samstag Nacht in der nächsten Stadt feiern wollen.